Ein fertiges Video noch schnell in drei Sprachen bringen, das klingt nach einem Nachmittag Arbeit. In der Praxis ist Video übersetzen eine Kette aus mehreren Handwerken, die nacheinander stimmen müssen: Transkription, Übersetzung, Timing, Lesbarkeit und am Ende die technische Einbindung. Fällt ein Glied aus, merkt es der Zuschauer sofort, auch wenn er nicht benennen kann, was stört. Genau das macht den Unterschied zwischen einem Clip, der im Ausland läuft, und einem, der nach zehn Sekunden weggeklickt wird.

Automatische Untertitel sind Rohstoff, kein Ergebnis

Die Spracherkennung in gängigen Plattformen ist gut geworden, und für saubere Studioaufnahmen liefert sie brauchbare Rohtexte. Sobald aber zwei Personen übereinander sprechen, ein Dialekt durchkommt oder Fachbegriffe fallen, häufen sich die Fehler an genau den Stellen, die inhaltlich zählen. Produktnamen werden verhunzt, Zahlen verrutschen, und aus einer Verneinung wird gelegentlich das Gegenteil. Wer untertitel automatisch erstellen lässt und den Text ungeprüft übersetzt, multipliziert diese Fehler in jede weitere Sprache.

Der Zwischenschritt kostet wenig und rettet viel: Das deutsche Transkript einmal gegenlesen, Eigennamen und Zahlen prüfen, Absatzgrenzen setzen. Erst diese bereinigte Fassung geht in die Übersetzung.

Timing und Lesbarkeit entscheiden mehr als Wortwahl

Untertitel sind ein eigenes Format mit eigenen Regeln. Als Faustwert gelten etwa 37 bis 42 Zeichen pro Zeile, höchstens zwei Zeilen gleichzeitig und eine Standzeit, die dem Publikum das Lesen erlaubt, ohne das Bild zu verdecken. Deutsch braucht gegenüber Englisch häufig zwanzig Prozent mehr Platz, Spanisch ebenfalls. Das heißt: Übersetzen allein genügt nicht, es muss gekürzt und verdichtet werden, ohne dass Sinn verloren geht. Wer sich in die Konventionen einlesen will, findet bei Wikipedia zum Thema Untertitel einen soliden Überblick über Formate und Gepflogenheiten.

Dazu kommen Schnittgrenzen. Ein Untertitel, der über einen harten Schnitt hinweg stehen bleibt, wirkt unruhig. Profis setzen die Segmentgrenzen deshalb an den Bildschnitt, nicht an das Satzende.

Untertitel, Captions und Barrierefreiheit

Häufig werden zwei Dinge verwechselt. Untertitel richten sich an Zuschauer, die den Ton hören, die Sprache aber nicht verstehen. Erweiterte Captions richten sich an Menschen, die nichts hören, und beschreiben zusätzlich Geräusche, Musik und Sprecherwechsel. Wer öffentliche Aufträge bedient oder im EU-Raum digitale Produkte anbietet, kommt an dieser Unterscheidung nicht vorbei. Die Empfehlungen der Web Accessibility Initiative des W3C sind hier der praktische Maßstab, an dem sich auch Behörden orientieren.

Untertitel oder Synchronisation

Die Entscheidung hängt weniger am Budget als am Zweck. Erklärvideos, Schulungen und Software-Demos funktionieren untertitelt gut, weil Zuschauer ohnehin mitlesen und oft ohne Ton schauen. Imagefilme und Werbung leben von Stimme und Rhythmus, dort wirkt eine reine Textspur schnell billig. Voice-over liegt dazwischen und ist für Interviews und Reportagen oft die ehrlichste Lösung. Eine gute Gegenüberstellung der Verfahren und ihrer Anwendungsfälle bietet dieser Beitrag zur Untertitelung und Video-Untertitelung.

Was ein mehrsprachiges Video wirklich kostet

Kalkuliert wird meist pro Laufminute, und der Preis hängt am Zustand des Ausgangsmaterials. Ein sauber aufgenommenes Interview mit Skript ist deutlich günstiger als eine Konferenzaufzeichnung mit Saalmikrofon. Dazu kommen Nebenposten, die gern vergessen werden: eingeblendete Bauchbinden und Grafiktexte, die ebenfalls übersetzt gehören, sowie Dateiformate für unterschiedliche Plattformen. Wie der Weg vom Rohtranskript bis zur fertigen Spur konkret aussieht, beschreibt dieser Praxisbericht darüber, wie man video untertitel erstellen und daraus tatsächlich Reichweite machen kann.

Ein Ablauf, der sich bewährt hat

Zuerst das Video sperren, also keine Schnittänderungen mehr nach Beginn der Untertitelung, weil jede Verschiebung alle Zeitmarken zerstört. Dann transkribieren und korrigieren. Anschließend übersetzen, mit Blick auf Zeichenzahl statt auf Wörter. Danach die Zeitmarken anpassen und am Bildschirm prüfen, nie nur im Texteditor. Zum Schluss eine kurze Sichtung durch jemanden, der die Zielsprache spricht und den Inhalt kennt. Dieser letzte Schritt dauert zehn Minuten pro Sprache und fängt die peinlichen Fehler ab, die sonst genau in dem Markt auffallen, den man gewinnen wollte.

Plattformen behandeln Untertitel unterschiedlich

Ein und dieselbe Datei verhält sich je nach Kanal anders. YouTube liest SRT- und VTT-Dateien sauber ein und erlaubt mehrere Sprachspuren nebeneinander, was für Auffindbarkeit sorgt, weil der Text indexiert wird. Wer ein youtube video übersetzen lässt, gewinnt damit nicht nur Zuschauer, sondern auch Sichtbarkeit in der Suche. LinkedIn und Instagram dagegen bevorzugen fest eingebrannte Untertitel, weil viele Nutzer stumm scrollen und Zusatzspuren dort nicht zuverlässig erscheinen. Für Websites wiederum ist die separate Textspur die bessere Wahl, weil sie sich austauschen lässt, ohne das Video neu zu rendern.

Praktisch bedeutet das: Eine Fassung mit eingebrannten Untertiteln für soziale Netzwerke, eine mit getrennten Spuren für Plattformen und Website. Wer das von Anfang an einplant, spart sich die doppelte Produktion im Nachhinein.

Terminologie gehört auch ins Video

Was für Handbücher gilt, gilt für Bewegtbild genauso. Produktnamen, Funktionsbezeichnungen und Claims sollten im Video genauso heißen wie auf der Website und in der Dokumentation. Sonst sucht ein Interessent nach einem Begriff aus dem Video und findet auf der Seite nichts. Eine kurze Liste der festen Begriffe, an den Übersetzer mitgeliefert, verhindert das zuverlässig und kostet fast nichts.

Am Ende ist ein mehrsprachiges Video kein Übersetzungsprojekt mit Bild, sondern eine Produktion mit sprachlichem Anteil. Wer es so plant, mit festem Schnitt, geprüftem Transkript und einer letzten Sichtung in jeder Sprache, bekommt Material, das in jedem Markt so wirkt, wie es im Original gemeint war.